VOM GLUECK VERGESSEN

Installation «Namen gegen das Vergessen» und Wanderausstellung Fürsorgerische Zwangsmassnahmen in Bern und der Schweiz (2025)

Historisches Museum Bern (2025)

EIN IMMERSIVES UND PARTIZIPATIVES AUSSTELLUNGSKONZEPT: inhaltlicher und szenografischer Entwicklungsprozess, räumliche Konzeption und Umsetzung der Installation und der gesamten Ausstellung.

WEBSITE:

PRESSE:

Neue Zürcher Zeitung

«In den von der Realität abstrahierten Interieurs lauscht der Besucher den virtuosen hörspielartigen Collagen, welche die Sicht der Betroffenen in den Vordergrund stellen. Plötzlich steckt er mitten in den Fallgeschichten.»

Der Bund

Ein wichtiger symboliuscher Akt: «Auf den ersten Blick sieht es wie ein Sternenhimmel aus, doch die Realität dahinter ist düster: Jeder der insgesamt 10'826 Punkte auf den schwarzen Wänden steht für ein Einzelschicksal. So viele Menschen haben bis im Sommer 2024 vom Bund einen Solidaritätsbeitrag erhalten, weil sie als Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen Leid und Unrecht erfahren haben.»

 

 

DIE INSTALLATION 

Die Installation «Namen gegen das Vergessen», erinnert an die betroffenen Menschen und anerkennt ihr erlittenes Unrecht. Zusammen mit 10 826 Punkten machen die Namen sichtbar, dass ganze Generationen durch Zwangsmassnahmen um Glück und Selbstbestimmung gebracht wurden. Ein Stück Schweizer Geschichte. Es sind Namen, die persönlich oder von Angehörigen für die Widmung geliehen wurden. In einem gemeinsamen Akt haben wir sie an die Wand geschrieben. Viele sind gekommen,während der Ausstellung werden es immer mehr - ihnen gilt ein grosser Dank.

Es ist meistens ein langer Weg bis zum Moment, an dem man öffentlich zur eigenen Geschichte, die mit viel Schuld und Scham behaftet ist, stehen kann.

«Mehrere 100 000 Betroffene schweizweit, davon mindestens 50 000 im Kanton Bern, 10 826 Personen haben vom Bund einen Solidaritäts-beitrag erhalten, einige 400 Namen wurden für die Widmung geliehen.»

 

DIE AUSSTELLUNG

Fremdplatziert, verdingt, entmündigt, in Anstalten versorgt, zwangsadoptiert oder sterilisiert: bis in die 1970er-Jahren waren in der Schweiz zehntausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen. Erstmals stellt eine Ausstellung diesen Themenkomplex für die Schweiz dar.

Um die Erfahrungen von Betroffenen ins Zentrum zu stellen, haben wir fünf exemplarische Geschichten als Hörspiel erzählt, welche in einer dreidimensionalen Welt aus Karton installiert sind und für die Besucherinnen erfahrbar gemacht werden. Die Hörspiele basieren auf wahren Gegebenheiten und sind aus Archivrecherchen und persönlichen Gesprächen entstanden,Originaldokumente machen dies sichtbar.Diese privaten Geschichten sind eingebettet in den historischen Kontext und Zeitgeist. Die grossen Fragen über Gerechtigkeit, Schuld und den Akt um Verzeihung werden zu bitten, werden zur Diskussion gestellt.

Sechs in die Ausstellung hineingestellten gleich grossen Räume sind allesamt aus Karton und bieten verschiedene, den Geschichten entsprechende Raumqualitäten. Eine Zelle, ein Stall, eine Küche, ein Waschraum, ein Archiv und ein offener Raum mit Büchergestell.Diese Kartonräume haben unterschiedliche Öffnungen und Lichteinfälle. Die Böden, alle von Hand gemalt, sowie die unterschiedlichen Lichtquellen erzeugen eine stimmige Raumatmosphäre. Bewusst haben wir uns für dieses kostengünstige, mit dem Thema resonierende Material entschieden. Die sorgfältige Bearbeitung der gebauten Kartonwelten vermag die Besucherinnen zu berühren und ermöglichen einen emotionalen Zugang zum Thema.

Eigenständig ist die für die Ausstellung entwickelte «Fragestellerei». Sie sucht das Gespräch mit den Besucher*innen und macht den Bezug zur Gegenwart.Die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen rührt an ganz grundsätzliche Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Solche Fragen haben wir gesammelt und auf grosse Kartontafeln gedruckt an unterschiedlichen Orten fotografiert. Die Besucherinnen begegnen in der Ausstellung diesen grossformatigen Fotografien. Es ist eine Einladung zur Auseinandersetzung und Diskussion. Ihre Antworten sammeln wir auf Postkarten am Ende der Ausstellung.

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ANHÖREN:

1 Wie Florian Branger aus der Arbeitsanstalt Realta flieht.

2.Wie der Verdingbub Ruedi Hofer von Platz zu Platz geschoben und schwer verletzt wird.

4 Wie Cornelia Studer im Kinderheim Entwurzelung, Gewalt und Isolation erlebt.

KONZEPT, GESTALTUNG:

Karin Bucher

KURATION:

Tanja Rietmann

PROJEKTLEITUNG UND PROJEKTSTEUERUNG

Laura Company, Yann Jallay, Aline Minder

HOERCOLLAGEN:

Christina Caprez (Regie, Text), Tanja Rietmann (Text), Michel Decurtins (Tonaufnahmen, Sounddesign) 

VIDEOAUFNAHMEN:

Thomas Karrer, Gesprächspartner Video: Sergio Devecchi, Marianne Hochuli, Peter Dörflinger 

FRAGESTELLEREI:

Mark Riklin, Thomas Karrer, Karin Bucher, Projektteam 

GRAFIK / ILLUSTRATIONEN:

Volta Studio mit Isa Lindner & Seline Mauth

AUSTELLUNGSBAU, TECHNIK:

René Dick & Team vom historische Museum Bern

KARTONOBJEKTE:

Karin Bucher und das Team des rätischen Museums: Charlotte Allemann, Sandra Blum, Lucia Bundi, Rita Conti, Silvia Conzett, Marianne Dick, René Dick,Annina Dosch, Andrea Kauer Loens, Reto Metz, Martina Nicca, Sarah Schüpbach, Claudia Seglias, Daniela Sulzer, Nicole Venzin

PRODUKTION:

Die Ausstellung im historischen Musems Bern baut auf der Ausstellung des Rätischen Museums auf, welche im Auftrag der Regierung des Kantons Graubünden 2020 realisisert wurde. www.raetischesmuseum.gr.ch

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KARIN BUCHER SZENOGRAFIE

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